Heuernte

Heuernte, schönste Zeit im Jahr,
Der Wald längst grün und doch noch klar,
Die Blumen ganz im Blühn,
Die Saat noch hoffnungsgrün.

Grün hängt die Frucht im dichten Baum,
Halb ausgebildet, halb noch Traum;
Still steht des Lebens Flucht
Noch zwischen Blüt' und Frucht.

Nur erntereif das flücht'ge Gras,
Und frisch und duftig selber das.
Wohl, wenn's an's Welken geht,
Dem, der so süß verweht!

Die Luft noch nicht zu wild durchschwirrt,
Nur hier und dort ein Käfer irrt;
Im Grillchen kichert nur,
Im Vogel jauchzt Natur.

Vorüber schwebt ein geist'ger Duft,
Ein Aether durch den Dampf der Luft!
Ist's Engelsodem? Nein!
Es ist der blühnde Wein!

O Mensch, genieße dieser Zeit,
Und athme sie, wie Ewigkeit;
Leg' dich am Quell ins Heu,
Erbau' dein Traumgebäu!

Geschwind, eh dich ein Tropfen weckt,
Eh dich ein Blitz, ein Donner schreckt,
Denn auch der Wonne Born,
Wallt plötzlich auf in Zorn.

Dann sä't sein Korn der Hagel aus,
Der Sturm bricht Aeste sich zum Strauß,
Der Bach zerreißt das Land –
Frucht, Blüte, Gras verschwand. –

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