Frühlingslied

Wohl war der Winter ein harter Gast,
Den armen, den trauernden Vögeln verhaßt,
Die fröhlich wieder nun singen;
Aus blauer Luft, auf grüner Flur,
Wie hört man's munter erklingen!

Und als sich der Wald aufs neue belaubt,
Da hat es mir nicht zu weilen erlaubt,
Ich mußte hinaus und wandern;
Es singen so lustig die Vögel umher,
Ich singe mein Lied, wie die andern.

Und komm ich ans Wirtshaus, so kehr ich ein:
Frau Wirtin, Frau Wirtin, ein gut Glas Wein,
Ich habe mich durstig gesungen.
Da kommt mit dem Weine die Tochter sogleich
So munter zu mir gesprungen.

Der Wein, den du schenkest, er ist fürwahr
So rot wie dein Mund, wie dein Auge so klar,
Gar kräftig und lieblich zu schlürfen;
Und darf ich dich ansehn und trinken den Wein,
So werd ich wohl singen auch dürfen.

Ich habe so eben ein Lied mir erdacht,
Und hab es für dich ganz eigens gemacht,
Hab's nimmer zuvor noch gesungen;
So höre mir zu, du rosige Maid,
Und sprich: ob's gut mir gelungen?

Ich liebe den Frühling, des Waldes Grün,
Der Vögel Gesang, der Bienen Bemühn,
Der Blumen Farben und Düfte,
Den Strahl der Sonne, des Himmels Blau,
Den Hauch der wärmeren Lüfte.

Sieh dort am Tor, was die Schwalben tun,
Wie emsig sie fliegen, sie werden nicht ruhn,
Bis fertig ihr Nestchen sie schauen;
Ich sang, wie die Vögel, mein munteres Lied,
Vergaß, ein Nest mir zu bauen.

Ich liebe, die frischer als Waldes-Grün,
Noch emsiger schafft als sich Bienen bemühn,
Vor der die Rosen sich neigen,
Deren Blick mich erwärmt wie der Sonne Strahl,
Daß Lieder dem Busen entsteigen.

Ich habe gesungen, was sagest du nun?
Sieh dort am Tor, was die Schwalben tun!
Was sollt es uns nicht gelingen?
Frau Wirtin, Frau Mutter, sie kommt eben recht,
Sie soll noch ihr Amen uns singen.

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